Ahmstorf Pirates


2005 – Hertha auswärts

Von Lars Schiffers

Nach langer, langer Zeit darf ich auch mal wieder einen Bericht schreiben, was aber auch daran liegt, dass ich schon lang nicht mehr auswärts dabei war. Verpassen tut man ja in der Regel eh nicht viel (zumindest sportlich), aber die Anekdoten und Suffaktionen sind doch immer wieder das Mitfahren wert.

Die Vorzeichen auf die Fahrt waren denkbar schlecht. 8 Auswärtsspiele in Folge verloren und der Bus war nur mit ca. 25 Personen besetzt, was bereits im Vorfeld ein finanzielles Debakel erahnen ließ. Für mich persönlich waren die Vorzeichen noch schlechter, da ich aufgrund meiner Knieverletzungen weder groß rumlaufen noch saufen kann bzw. dies vorhatte.

Die Abreise sollte um 8 Uhr beginnen, von ca. 7.30 bis 7.45 läutete ich bei Tobi Rothe Sturm – allerdings ohne Erfolg. Wie durch ein Wunder kam er dann doch noch mit etwas Verspätung am Abfahrtsort an und konnte doch mitfahren. „Fängt ja toll an“, dachte ich mir und nahm erst einmal einen der zahlreich vorhandenen Sitzplätze und ein paar Schnitzelbrötchen ein. Die Flüssigversorgung bestand in meinem Fall aus einer dreiviertel Kiste Beck’s Alkfrei – gaaaanz toll. Naja, der Busfahrer Horst trug sein schweres Los jedenfalls auch sehr mannhaft und ging gut auf die körperlichen und akustischen Bedürfnisse der Mitfahrer ein.

Die Hinfahrt ging schnell vorbei mit den üblichen Begleiterscheinungen, nämlich dass alle ihren Pegel ziemlich rasch hochfuhren. Der frischgebackene 2. Vorsitzende Thiemo Hansmann spendierte gleich zum Auftakt um 8.35 die erste Schnapsrunde und läutete damit den Reigen ein. Generell muss man sagen, dass er einen sehr engagierten Eindruck machte und ständig kassierte, Schnaps verkaufte oder sich bei irgendwelchen anderen Dingen nützlich machte. Weiter so !

Irgendwann waren wir dann so gegen 13.30 Uhr in Gladbach, während der Sonderzug aus WOB wohl wegen einer kaputten Lok enorme Verspätung haben sollte. Knut und ich gingen vor und ließen die Fahne von den hilfsbereiten Ordnern aufhängen. Insgesamt ein schönes Stadion. So ein Mittelding zwischen der VW- und der AOL-Arena. Zum Spiel braucht man nicht viel zu sagen. 0,5 Torchancen für den den VfL, nicht wesentlich mehr für BMG, die das Spiel dann aber durch ein Traumtor von Sverkos kurz vor Schluß gewannen. Insgesamt aber ein totlangweiliger Grottenkick bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Am Ende waren dann dank Bahn doch noch ca. 500 Wolfsburger da. Am unterhaltsamsten waren da noch Sparschweins fachlich natürlich sehr fundierten Pöbeleien gegen diverse VfL-Akteure, die bei den Umstehenden nur für Kopfschütteln sorgten.

Als ich dann wieder im angenehm warmen Bus meinen Platz eingenommen hatte, sah ich schon aus der Entfernung Knut mit zusammengeknüllter Fahne und unseren Präsi Martin des Weges kommen. Während Knut noch recht fit zu sein schien, operierte unser Präsi schon mit der bewährten „3-Schritt-vor-2-Schritt-zurück-und-noch-einen-zur-Seite“-Taktik. Nach und nach waren dann wieder alle Mitfahrer im Bus und es ging gegen 18 Uhr heimwärts. So langsam trennte sich dann auch die Spreu vom Weizen und es wurde sehr deutlich, wer von den Anwesenden mehr Zeit an der Theke als auf der Tribüne verbracht hat, allen voran unser Präsi, der schon auf der Tribüne einen reichlich desorientierten Eindruck gemacht hatte. Die einen schliefen schon, während der Mittelteil des Busses zur Hochform auflief. Nahezu auf der kompletten Rückfahrt wurde eine Kassette aus Mitgrölhits immer und immer wieder gehört (3x auf der Rückfahrt, 1,5 x auf der Hinfahrt). Das Gesprächsniveau im Bus sank immer tiefer. Während einige Mitfahrer eingehend über diverse Sexualpraktiken philosophierten („Meine Freundin hat ja nicht so große Brüste…“ – Antwort: „Ok, soweit kann ich dir folgen…“) , lehnte sich Martin mit Aussagen wie „Wolle Petri hat mehr Rock’n Roll im Arsch als deine scheiß Hellacopters“ doch recht weit aus dem Fenster. Spaßig wurde es, als der selbsternannte „Sultan of Swing“ zu gleichnamigen Lied der Dire Straits Luftgitarre spielte und zum Dank von unserem Fanclub-Schritführer beim folgenden „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones dermaßen umgepogt wurde, dass er lang im Gang hinschlug. Es folgten mahnende Worte des Busfahrers, der auf die Anschnallpflicht hinwies. Die Stimmung kochte weiter. Während die Toten Hosen noch relativ fehlerfrei mitgesungen werden konnten, gingen die folgenden Dimple-Minds-Songs in ziemlichen Gelalle unter. Als nächstes folgte dann die Operation „Hund an die Leine legen“, mit der unser Kassenwart ein nicht näher zu nennendes, mittlerweile völlig hilfloses Vorstandsmitglied mit seiner Jackenkordel am Sitz fest band. Dieser schnallte es überhaupt nicht und hätte ihn nicht irgendwer abgebunden, würde er heute noch mit seinem Bier neben dem Sitz stehen und irgendwelche Lokalmatadore-Songs völlig schief vor sich hin lallen („… Schneeeeckenallaaaam … schnauze, Achtung … lalalalala … Telefon … laaalaaalaaa …“). Nun war es an der Zeit, dass die mittlerweile in fast alle deutschen Großstädte mit „H“ am Anfang emigirierte Familie Janze (Hamburg, Hannover, Helmstedt) uns mit ihren körperlichen Ausdünstungen belästigte. Dies sollte bis Fahrtende anhalten. Wenn ich Bauer wär und es würd im meinem Schweinestall so stinken, wie die Band im Bus, ich glaub ich würde die alle notschlachten lassen. Geht mal zu Arzt, Jungs ! In eurem Allerwertesten muss doch irgend ein Tier verwest sein…

So langsam näherte sich dann auch die Heimat. Die Zeit von Rennau nach Ahmstorf wurde damit verbracht, Knut aufzuwecken, der trotz diversem Schütteln / Hauen usw. Fast nicht wach zu kriegen war.

Insgesamt also alles wie immer. Spiel scheiße, Spiel verloren, Fahrt geil, alle stinkend voll. Nur ich nicht, dieses Mal… War auch mal eine interessante und vor allem noch nie erlebte Perspektive, mal nicht einer der vollsten drei des Busses zu sein. Trotzdem nicht zur Nachahmung empfohlen.