Ahmstorf Pirates


2002 – St. Pauli auswärts

Von Lars Schiffers

Mit einem eigenen Bus sollte es heute Richtung Hamburg St.Pauli gehen. Die Hinfahrt verlief planmäßig bei doch recht zügigem Bierkonsum, schließlich kann man sich so ein Spiel ja nicht nüchtern geben. Diesmal hatte DJ Knut wieder für beste Unterhaltungsmusik von Lokalmatadore über TonSteineScherben bis AC/DC gesorgt – Daumen hoch ! So war die Stimmung auch schon ganz ordentlich, als wir in HH ankamen. Vor dem Stadion wurde noch getrunken, überzählige Karten verkauft und mit St.Paulianern erzählt. Drinnen im Stadion gab es dann auch „richtiges“ Pils und so belagerten die Pirates beharrlich den Bierstand, während meinereiner noch schnell ein paar Bratwürste futterte (die 4 Schnitzel + 3 Brötchen im Bus waren ja mehr so was wie eine Zwischenmahlzeit).
Im VfL-Block nahmen wir dann unsere Plätze neben den ca. 1500-2000 Mitgereisten ein. Ich war erst entsetzt, ob der Bruchbude von Stadion, erinnerte mich dann aber an selige Zweitligazeiten mit Rasenwall am Elsterweg. Die Stimmung im Stadion selber war ganz ok, im VfL-Block aber obermies. Die Anfeuerungsrufe während des ganzen Spiels kann man an einer Hand abzählen – peinliche Vorstellung, Leute !!! Der VfL-Treffer wurde ungefähr so bejubelt, wie in anderen Stadien ein Einwurf für die Heimmannschaft. Die Paulianer waren eigentlich sehr nett zu uns, bedankten sich für unsere Gastfreundschaft bei den vergangenen Partien und betonten stets, dass sie bei uns immer sehr gut behandelt wurden. Sogar „Grün-Weiß-VfL“ wurde vor dem Anpfiff im Stadion gespielt – das sagt eigentlich schon vieles. Um so unverständlicher, dass einige Schwachmaten wieder Tumulte anzetteln mussten – gegen die Heimfans/-ordner (na ja …), gegen die Polizei (sehr clever…) und nicht zuletzt untereinander (wo sind wir hier eigentlich ?). Und das größtenteils von irgendwelchen
Möchtegern-Fans/-Hools (die meine Oma mit’m Krückstock in die Flucht schlagen würde …).Die Krönung des Ganzen war noch ein mir persönlich bekannter Fan, der mitten in den Fanblock pinkelte. Ich hoffe, dass das Foto was geworden ist. ;-)
Angesichts des Dauerregens, des beschissenen Spiels und des Spielstandes, entschloss ich mich, mal wieder an der Astra-Bude vorbei zu schauen, wo ich auch diverse andere Mitfahrer traf.
Nach dem Spiel trafen wir uns alle am Bus und ein Teil der Besatzung zog es vor, in HH zu bleiben, während ein anderer Teil wieder mit dem Bus zurückfuhr. Ich entschied mich für letzteres, wobei ich zu dem weiteren Ablauf der Fahrt nicht mehr viel sagen kann – der Stoff forderte nun langsam seinen Tribut.
Die „Hamburger“ tranken sich Gerüchten zu Folge wohl von Kneipe zu Kneipe. Sportskamerad Gerbracht soll mehrere hundert Euro u.a. im Dollhouse gelassen haben – Hut ab ! Mangels Geld wurde dann morgens mit dem ersten Zug z.T. schwarz zurückgefahren.
Die „Busfahrer“ kämpften wacker mit den nun schier übermächtigen Getränkereserven. Torsten gab die Losung „jetzt müssen wir doppelt so viel trinken, damit sich die Fahrt rentiert“ aus. Meine letzte Amtshandlung war das Ordern und Verhaften von mehreren Jägermeister/Kirsch-Wodka/Bier-Runden, bevor mich dann irgendwie der Schlaf (oder war’s doch das Koma ?) übermannte. Aufgewacht bin ich in Groß Sisbeck auf dem Boden des Busses. Einige Leute zerrten an mir rum und redeten wild auf mich ein. Ich registrierte noch Wortfetzen wie „Bus bezahlen“, „Abrechnung“ , „Wo ist die Kasse ?“ oder „Schiffe, was hast du mit dem Geld gemacht?“. Ich griff mir meine Sachen und stieg aus dem Bus. Hinter mir krachte Mr. Hansmann junior die Bustreppe runter und schlug äußerst unsanft mit dem Gesicht auf dem Kopfsteinpflaster auf. Das gleiche wiederholte er noch mal in Zeitlupe, als ich ihn wieder aufgehoben hatte. Irgendwer hatte Fahrer organisiert und dann war ich auch rechtzeitig zu Hause, um mir noch „Wetten dass…?“ aus BS anzuschauen bzw. Sarah Connors Titten in ihrem „Kleid“. Danach war endgültig Game Over.
Nachträglich bleibt anzumerken, dass es größtenteils Torsten zu verdanken ist, dass die Fahrt noch recht glimpflich über die Bühne gegangen ist, weil er als einziger noch halbwegs den Durchblick hatte. Stark verbesserungswürdig ist das Verhalten der Vorstandsmitglieder, die entweder gleich in Hamburg bleiben (Sparschwein) oder so blau waren, dass gar nichts mehr geht (Knut, Martin und meine Wenigkeit). Irgendwie gerät so langsam auch der Fußball in den Hintergrund, weil sich so hemmungslos die Kante gegeben wird, dass das Spiel eigentlich sekundär ist. Vielleicht sollten wir diese Sachen mal in etwas geregeltere Bahnen lenken.