Von Martin Janze
Relativ früh stellte sich diesmal heraus, dass wir genügend Anmeldungen erhielten -es waren auch mehrere S04 Fans an Bord, um die Fahrt im eignen Bus durchführen zu können. Ein Grund dafür war sicherlich, dass wir den Fahrpreis auf zuletzt 50 DM senken konnten. Zum einen lag dies an den von uns gewählten, billigeren Eintrittskarten (12 DM), zum anderen an der Tatsache, dass uns unser Busunternehmen Fuhrmann nur einen Bus ohne Toilette anbieten konnte, den wir zu deutlich günstigeren Konditionen anmieteten.Wir wählten daher eine recht frühe Abfahrtszeit (8.30 Uhr) und legten dafür reichlich Pinkelpausen ein. Leider stellte sich heraus, dass das wir aufgrund eines Defekts an der Musikanlage keine mitgebrachten MCs hören konnten, was für manche noch schwerer wog, als die fehlende Toilette.Unsere Busfahrer, der sonst nur im Linienverkehr unterwegs ist, gab jedenfalls sein bestes – das Parkstadion wurde überpünktlich erreicht.Die gewonnen Zeit wurde von einigen im Bus mit weiterem Bierkonsum genutzt.Das Spiel schien zunächst auch gut für unseren Verein zu laufen, bis die Königsblauen nach dem überraschenden Führungstor auch noch das 2:0 nachlegten.Verärgert über das ungerechte Halbzeitergebnis und den unerklärlichen (?) Verlust meines Fotoapparates, verbrachte ich den Rest des Spiels an der Bierbude.Dies schien sich zu rächen, in dem ich nach dem Spiel den falschen Busparkplatz ansteuerte. Durch den Einsatz moderner Kommunikationsgeräte, Sparschwein lotste mich durchs Handy in die richtige Richtung, konnten wir dann komplett und fast pünktlich die Heimreise antreten.Unser Proviant (Brötchen, Bouletten, Schnitzel) wurde restlos auf der Rückfahrt verputzt.Leider verlief die Reise von nun an nicht ganz so harmonisch, woran aber weniger die kleineren Verkehrsstauungen schuld waren.Der Bierkonsum veranlasste die Mitfahrer doch zu recht unterschiedlichen Taten.Während sich neben mir einige andere Piraten zu mehr oder weniger gelungen Gesangseinlagen hinreißen ließen, blieb der größte Teil doch relativ ruhig. Insbesondere unsere Schalke Freunde, schienen nicht gemerkt zu haben, dass ihre Mannschaft gewonnen hatte. Die daraufhin doch provokanter werdenden Gesänge (Originalton des Verfassers: „Schalke 04 – Schläfer im Revier“) als Aufforderung doch auch etwas für Stimmung zu sorgen, wurden jedenfalls total ignoriert. Wenn ich mich an die Fahrt nach Bremen zwei Wochen zuvor erinnere, wo ich als nüchterner (autofahrender) Fan, zwischen angeheitert singender und grölender Fans saß, kann ich den Ein oder Anderen verstehen, der sich durch dieses Verhalten gestört fühlte.Wahrscheinlich hätten einige (besonders ich selbst), besonnener auftreten können oder müssen – gegenseitige Toleranz zwischen feiernder und „schlafender“ Fraktion sollte hier das Schlagwort sein, doch gehört zu solch einer Fahrt auch etwas Partystimmung dazu.Selbstverständlich ist keiner verpflichtet, sich an dem Versuch im Bus für Stimmung zu sorgen zu beteiligen.
Daher kann jeder für sich selbst folgende Tatsache bewerten: Die Stimmung unter den Schalke Fans tendierte gegen Null, wobei auf einem Ausflug des Seniorenvereins sicher mehr los ist. Für mich unverständlich, wenn die eigene Mannschaft siegreich war, auf dem besten Weg ist Deutscher Meister zu werden und sicher auch die Wolfsburg Anhänger Schalker Kundgebungen der Freude darüber unterstützt hätten.Insgesamt schwerwiegender zu bewerten ist in jeder Hinsicht jener Vorfall, der sich später auf einem Rastplatz zutrug.Unter Alkoholeinfluss (im vielleicht übertriebenen Maße) Schlachtgesänge anzustimmen ist das eine – sich zu Gewalttätigkeiten hinreißen zu lassen, wie es einem Blau-Weißen passiert ist, ein ganz anderer Fall. Das Zerschmeißen einer Flasche, sicherlich grober Unfug und nicht gutzuheißen, mit einer kriminellen Handlung zu vergelten (nämlich Körperverletzung) ist schon mehr als unangebracht. Insbesondere, wenn es auch noch nicht einmal den Flaschenwerfer trifft, und die zu Selbstjustiz greifende Person sich schon von Berufswegen über ihr Handeln im Klaren sein müsste.Das betroffen Opfer schien die Sache ruhiger zu nehmen als manch anderer Augenzeuge und bekannte, von weiteren, offiziellen Maßnahmen, abzusehen. Bis auf einzelne sehr kontrovers und direkt geführte Diskussionen zu diesem Vorfall entspannte sich zum Glück die aufgeheizte Situation im weiteren Verlauf der Rückreise. Selbstverständlich war nun bei wohl
wirklichen Allen die gute Laune dahin. Abschließend kann leider nur eine etwas schlechtere Bilanz von der letzten eigenen Auswärtsfahrt der Saison 2000/2001gezogen werden.