Ahmstorf Pirates


2001 – HSV auswärts

Von Lars Schiffers

Mit einem eigenen Bus ging es diesmal nach Hamburg. Unter den 31 Mitfahrern hatten sich auch einige einheimische HSVer eingeschlichen. Schon auf der Hinfahrt ließ die allgemeine Schlagzahl keine Wünsche offen. Bei der ersten Rast wurde erstmal nach einschlägigen Zeitschriften Ausschau gehalten, um sich die Zeit im Bus sinnvoll zu vertreiben. Ohne den erwarteten Elbtunnelstau kamen wir schließlich überpünktlich in Hamburg an. Da noch ein bisschen Zeit war, zogen es einige vor, noch im Bus weiter zu trinken und erst später Richtung Stadion aufzubrechen. Vor dem Stadion verscheuerte ich noch rasch die überzähligen Eintrittskarten zum Schleuderpreis. Hastig trank ich noch meinen Kümmerling aus, den ich mir zum Aufwärmen mitgenommen hatte. Der Typ vor mir wurde von den Ordnern wieder rausgeschmissen, weil er angeblich zu betrunken war. Da man ja routiniert in solchen Dingen ist, wusste ich mich dann auch zu benehmen, obwohl ich garantiert einige Atü mehr auf dem Kessel hatte, als der arme Kerl, der zu guter letzt sogar behauptete heute Fahrer seiner Kumpels zu sein. Im Stadion führte mich mein erster Weg an den Erbsensuppenstand, da ich über diese bis jetzt nur Gutes gehört hatte. Erwartungsfroh schaufelte ich mir den ersten Teller rein, um feststellen zu müssen, dass dies das Beste war, was ich bis jetzt im Stadion zu essen gekriegt habe (und das war nicht wenig!). Bei der Tellerrückgabe machte ich noch einen kleinen Schwenker zum Bierstand, um mich dann Richtung VfL – Block zu begeben. Gleich zu Beginn gab es eine nette Raucheinlage, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Leider verflachte dann trotz VfL – Führung die Stimmung unter den ca. 2500 Wolfsburgern wieder. Nach dem Ausgleich zog es mich wieder an die Rampe und als ich wieder im Block war, musste ich mir berichten lassen, dass Reitmeier in Gedanken wohl auch gerade dort war und es nun 2:1 stand. Auf dem Weg zur Toilette fiel mir auf, dass das Damen-WC knöcheltief unter Wasser stand. Allerlei Überflüssiges bahnte sich seinen Weg in und durch die VfL-Kurve und wurde von fleißigen Ordnern mit Industriestaubsaugern (!) wieder trockengelegt. Sehr lecker, wenn man bedenkt, dass man schon eine halbe Stunde nichts ahnend “im Saft” stand. In der 2. Hälfte kassierten wir dann das völlig unnötige 3:1. Ich trank mit Sparschwein eine Runde nach der anderen und versuchte mir, das Spiel schön zu trinken. Dies gelang aber nur bedingt. Nach Müllers Anschlusstreffer kam wieder Hoffnung und einigermaßen gute Stimmung im Block auf. Kurz vor Schluß vergab dann Maric die Riesenchance zum Ausgleich, der sicherlich nicht unverdient gewesen wäre. Schnell wurde noch ein Tellerchen Erbsensuppe verhaftet, welches mich auf dem Rückweg schön wärmen und mir eine gute Grundlage für die weiteren Strapazen geben sollte. Ein völlig desorientierter Knut bat mich, nicht wegzulaufen (?), weil er sonst auf keinen Fall mehr zum Bus finden würde. Insider behaupten, dass er mit dieser Behauptung nicht weit daneben lag. Dank meines untrüglichen Orientierungssinns kamen wir dann wohlbehalten am Bus an. Im Bus wurde dann die Schlagzahl wieder enorm angezogen und so langsam sollte sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Tipprunde wurde vom großzügigen Gewinner in eine Busrunde hochprozentiges umgemünzt. Bei der von mir nicht allzu souverän moderierten Verlosung gewann unter anderem Pirates – Kassenwart ein Handtuch. Er wollte den Preis unbedingt behalten, auch wenn er sich jetzt immer waschen müsste. Wir sind gespannt …
Die Stimmung stieg nun (zumindest im vorderen Teil des Busses) stetig an, genau wie die Ausfallerscheinungen gewisser Personen, die ca. 5 Minuten brauchten, um einmal den Bus zu durchqueren. Der absolute Knüller sollte aber bei unserem letzten Boxenstopp in Peine folgen. Here we go:

19.30 Uhr:
Der Bus der Ahmstorf Pirates fährt bei Mc Donalds in Peine vor. Per Busdurchsage wird an die gute Kinderstube und an die pünktliche Abfahrt erinnert.

19.31 Uhr:
Unter lautem Gegröle fallen 20 mit Feldschlösschen-Pullen bewaffnete Fußballfans in das Lokal ein und bestellen was zu essen.

19.31 Uhr, 10 Sekunden:
Die Bedienung fordert uns auf, den Laden umgehend zu verlassen.

19.31 Uhr, 12 Sekunden:
Die Bedienung wird ausgelacht und zieht schmollend von dannen.

19.31 Uhr, 15 Sekunden:
Björn W. aus A. steht auf einem Podest, faltet sich aus einem Mc Donalds-Programmheft ein Sprachrohr und verkündet lauthals: “Achtung , Achtung ! Gegenüber bei Burger King kostet der Whopper heute nur 4.99 DM ! Außerdem schmeckt da eh alles viel besser !”

19.31 Uhr, 25 Sekunden:
Björn wird von der Bedienung aufgefordert von seinem Podest zu steigen und zusammen mit mir nahegelegt, dieses Lokal umgehend zu verlassen.

19.31 Uhr 27 Sekunden:
Lautes Gelächter erschallt. Die Bedienung trollt sich wieder.

19.32 Uhr:
Ich versuche vergeblich, mir was zu essen zu bestellen und werde abermals aufgefordert dieses schöne Restaurant zu verlassen.

19.32 Uhr, 15 Sekunden:
Allgemeines Gelächter; Björn hat mittlerweile von seinem Podest gefunden

19.33 Uhr, 28 Sekunden:
Ein äußerst angetüterter Hubert W. aus A. (weitläufig verwandt mit dem anderen Herrn W.) reißt die Tür auf und brüllt durch den Laden: “Die verkaufen hier doch BSE- verseuchtes Wildschweinfleisch !!!”

19.33 Uhr, 39 Sekunden:
Die freundliche Bedienung schreit hinter der Theke, dass wir verschwinden sollen.

19.34 Uhr:
Hubert W. bekräftigt seine These noch einmal lauthals an der Kasse: “BSE- verseuchtes Wildschweinfleisch, sag ich !!!”

19.34 Uhr, 08 Sekunden:
Die stets freundliche Bedienung bekräftigt ebenfalls ihre These, dass wir in diesem Restaurant mit Flaschenbier nichts zu suchen hätten.

19.35 Uhr:
Mittlerweile amüsieren sich alle Gäste über das seltene Schauspiel im Kassenbereich

19.39 Uhr:
Irgendwie haben wir doch was zu essen bekommen und speisen nun in Sichtweite der Thekenmannschaft, wobei die Getränke immer noch die selben sind.

19.40 Uhr:
Björn W. steigt auf seinen Stuhl und beschwert sich lauthals, dass hier heimlich mitgebrachtes Flaschenbier getrunken wird.

19.40 Uhr; 0,1473 Sekunden:
Die nervige Bedienung von vorhin kommt wieder angewatschelt und will uns wieder rausschmeißen.

19.40 Uhr, 12 Sekunden:
Björn stellt sich hin, verschränkt die Arme vor der Brust und weigert sich, hinaus zu gehen. Er ist jetzt nämlich beleidigt.

19.41 Uhr:
Die stets freundliche Bedienung droht uns, “andere Saiten aufzuziehen”.

19.41 Uhr, 02 Sekunden:
Hämisches Gelächter schallt durch das Lokal.

19.41 Uhr, 27 Sekunden:
Björn fordert die Bedienung auf, den Filialleiter kommen zu lassen.

19.42 Uhr:
Die Bedienung ist ratlos und flüchtet unter lautem Gelächter wieder in die Küche.

19.45 Uhr:
Von einem Filialleiter ist immer noch nichts zu sehen. Die Bedienung hat scheinbar kapituliert. Unterdessen spielt Björn vor der Kasse mit kleinen Kindern:
“Na mein Kleiner, wie alt bist du denn?” – “Fünf!” – “Und ? Hast du schon Haare am Sack?”

19.47 Uhr:
So langsam habe alle aufgegessen und das Bier ist auch langsam alle.

19.48 Uhr:
Die Bedienung ignoriert uns immer noch. Der Filialleiter zieht es anscheinend doch lieber vor, zu Hause zu bleiben.

19.49 Uhr:
Die Busbesatzung verlässt das Lokal.

19.49 Uhr, 30 Sekunden:
Björn springt auf dem Parkplatz herum und schreit, dass man ihn gerade heimlich aus dem Obergeschoß des Restaurants fotografieren würde.

19.49 Uhr, 35 Sekunden:
Björn hat sich hinter einem Busch vor den vermeintlichen Paparazzi versteckt.

19.51 Uhr:
Ich habe noch immer niemanden entdeckt, der uns fotografiert. Björn weißt auf einen Schatten am Fenster des abgedunkelten Obergeschosses.

19.51 Uhr, 25 Sekunden:
Björn springt hinter seinem Busch hervor und entblößt sich teilweise, “damit der da oben auch was zu fotografieren hat”.

19.52 Uhr:
Ich lache Tränen. Beim näherem Hinsehen hat sich herausgestellt, dass der vermeintliche Paparazzi eine lebensgroße Ronald-Mc Donald-Pappfigur ist, die lediglich in der Nähe des Fensters steht und Gutscheine in der Hand hält.

19.53 Uhr:
Björn hat seinen Irrtum bemerkt und schämt sich in Grund und Boden.

19.58 Uhr:
Alle sind endlich wieder im Bus.

20.00 Uhr:
Der Bus fährt los. Die Bedienung bei McDonalds macht drei Kreuze im Kalender und reicht die Kündigung ein.

Soweit dazu. Der Tacho war nun bei einigen offensichtlich schon ziemlich am Anschlag. Als wir in Kl. Sisbeck aus dem Bus zum Fasching entlassen wurden, vergaß ich meinen Playboy und Letsche seine HSV-Mütze. Zum krönenden Abschluß des Tages wurde dann dort noch kräftig Karneval gefeiert und einige von uns nutzten die günstige Gelegenheit noch, um sich total zum Deppen zu machen. An dieser Stelle blenden wir mal diskret aus…